TANYAS UMFASSENDES HANDBUCH

 

ÜBER CHRONISCHE NIERENERKRANKUNG (CNE)

 

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Überblick


  • Harnwegsinfektionen treten relativ häufig bei CNE-Katzen auf, da der durch die CNE verdünnte Urin eine gute Wachstumsgrundlage für Bakterien bildet.

  • Im schlimmsten Fall steigen die Bakterien zu den Nieren auf und lösen dort Infektionen aus.

  • Es ist außerordentlich wichtig, diese Infektionen zu behandeln, denn sie können die CNE-Erkrankung beschleunigen (in einigen Fällen sogar eine CNE auslösen), und dazu führen, dass es der Katze sehr schlecht geht bis hin zu schwerer Erkrankung.


Was sind Pyelonephritis and Harnwegsinfektionen?


 

Die meisten Menschen haben davon gehört oder sogar eine Harnwegsinfektion bereits selbst erlebt, aber ihnen ist nicht immer ganz klar, was dabei passiert.

 

Der Harntrakt besteht aus:

 

  • zwei Nieren

  • zwei Harnleitern: Das sind dünne Röhren, jede von ihnen führt von einer Niere zur Blase.

  • der Blase

  • der Harnröhre: Das ist die Röhre, die den Urin von der Blase nach außen führt.

 

Blase und Harnröhre werden dem unteren Harnwegstrakt zugerechnet.

 

Nieren und Harnleiter werden dem oberen Harnwegstrakt zugerechnet.

 

Der Ausdruck „Harnwegsinfektion“ oder „HWI“ bezieht sich normalerweise (aber nicht immer) auf Infektionen des unteren Harnwegtrakts.

 

Entzündungen des oberen Harnwegbereichs, insbesondere bakterielle Infektionen der Nieren selbst, werden häufig als Pyelonephritis oder Niereninfektion bezeichnet.

 

Katzen sind auch anfällig für eine Erkrankung genannt FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Disease = Feline Untere Harnwegserkrankungen). Auslöser können eine ganze Reihe von Ursachen sein. Die meisten FLUTD-Fälle werden aber nicht durch die in diesem Kapitel besprochenen bakteriellen Infektionen verursacht.

 


Wichtigkeit


 

Es ist immens wichtig, Infektionen im Harnwegsbereich zu behandeln, denn sie können den CNE-Verlauf beschleunigen und dazu führen, dass es der Katze sehr schlecht geht bis hin zu schwerer Erkrankung.

 

In einigen Fällen lösen diese Infektionen sogar eine CNE aus. Bacterial urinary tract infections (2016) Dowling P. M., Merck Veterinary Manual schreibt: „Zu den Folgen einer unbehandelten HWI gehören Dysfunktion der unteren Harnwege, Urolithiase, Prostatitis, Unfruchtbarkeit, Septikämie und Pyelonephritis mit Narbenbildung und Nierenversagen.“ 

 


Häufigkeit


 

Harnwegsinfektionen kommen bei CNE-Katzen relativ häufig vor. Problem urinary tract infections (2012) Chew D. J. & Westropp J. L., American College of Veterinary Surgeons Proceedings halten fest: „HWI tritt bei ungefähr 30 Prozent aller Katzen mit chronischem Nierenversagen (CNE) auf, viele innerhalb eines Jahres der CNE-Diagnose.“

 

Da die meisten CNE-Katzen älter sind, besteht bei ihnen ein zusätzliches Risiko. Managing the E coli UTI (2011) KuKanich K. S., NAVC Clinician's Brief Aug 2011 pp61-66 schreibt: „Katzen älter als zehn Jahre sind prädisponiert und leiden gewöhnlich noch an anderen Krankheiten.“

 


Ursachen


 

Infektionen der unteren Harnwege


Für gewöhnlich werden sie durch in die Blase eindringende Bakterien verursacht. Harnwegsinfektionen treten wegen des verdünnten Urins, auf dem Bakterien gut wachsen können, bei CNE-Katzen ziemlich häufig auf.

 

Ungefähr zwei Drittel der Harnwegsinfektionen bei Katzen werden durch Escherichia (E) Coli verursacht. Managing the E coli UTI (2011) KuKanich K. S., NAVC Clinician's Brief Aug 2011 pp61-66 schreibt: „Andere mit HWI in Zusammenhang auftretende Bakterien sind Staphylokokkus, Streptokokkus, Enterokokkus, Proteus und Klebsiella."

 

Overview of infectious diseases of the urinary system in small animals (2016) Brown S. A., Merck Veterinary Manual beschreibt die in diesem Zusammenhang auftretenden Bakterien.

 

Erkrankungen der unteren Harnwege der Katze (2008) Hesse und Neiger Enke Verla, gibt ausführliche Informationen über diese Erkrankung und deren Behandlung.

 

Niereninfektionen (Pyelonephritis)


In einigen Fällen steigen die betreffenden Bakterien noch weiter in die oberen Harnwege auf und verursachen eine Nierenentzündung, auch bekannt unter dem Namen „Pyelonephritis“. Chronic Renal Failure (2001) Polzin D. J., Delaware Valley Academy of Veterinary Medicine stellt fest: „Eine Infektion an einer Stelle stellt eine potentielle Infektionsgefahr für den gesamten Harntrakt dar.“

 

Manchmal gibt es auch andere Auslöser für eine Pyelonephritis: Nierensteine können ebenso eine Pyelonephritis auslösen wie eine Polyzystische Nierenerkrankung (PKD) oder Bakterien im Blutstrom. Veterinary Partner sagt: „Pyelonephritis wird durch eine bakterielle Invasion verursacht. Die Niereninfektion kann aus der Blase durch die Harnleiter, die Blutbahn oder über andere Organe eindringen. Eine Infektion über Blase/Harnleiter ist der häufigste Weg. Harnstau, eine Harnröhrenobstruktion, Nierensteine, Traumata  oder ein eingeschränktes Immunsystem können das Tier ebenfalls für eine Pyelonephritis prädisponieren. Mögliche Ursachen für eine Infektion durch den Blutkreislauf sind Endokarditis, Diskospondylitis, Abszesse oder Zahnerkrankungen.“

 

The Feline Patient (4. Auflage) (2010) Norsworthy G. D. (Ed) Wiley-Blackwell schreibt: „Pyelonephritis ist eine Entzündung des Nierenbeckens und -parenchyms. Typischerweise ist die Ätiologie bei Katzen bakteriell... Die Infektion kann hämatogen auftreten (d.h., durch bakterielle Endokarditis, Abszesse oder Zahnerkrankungen). Allerdings zeigten experimentelle Beweise, dass die Bakterien meistens aus dem Bereich der unteren Harnwege aufsteigen.“

 


Kompliziert im Unterschied zu Unkompliziert


 

Tierärzte unterteilen diese Infektionen häufig in zwei Kategorien, in unkomplizierte und komplizierte. Das spielt eine Rolle bei der Entscheidung, welches die beste Behandlungsmethode ist, siehe unten.

 

Unkompliziert


Unkomplizierte oder einfache Harnwegsinfektionen bedeuten, dass die Katze normalerweise gesund ist und weder Probleme mit den körperlichen Abwehrmechanismen noch strukturelle Probleme vorliegen, sodass die Infektion vollständig auf die Antibiotika-Therapie ansprechen sollte.

 

Kompliziert


Komplizierte Harnwegsinfektionen treten auf, wenn noch weitere Faktoren dazukommen und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass eine Infektion entsteht, anhält oder wiederkommt. Antimicrobial use guidelines for treatment of urinary tract disease in dogs and cats: antimicrobial guidelines working group of the international society for companion animal infectious diseases (2011) Weese J. S., Blondeau J. M., Boothe D., Breitschwerdt E. B., Guardabassi L., Hillier A., Lloyd D. H., Papich M. G., Rankin S. C., Turnidge J. D. & Sykes J. E., Veterinary Medicine International 2011 pp1-9 schreiben: „Eine komplizierte HWI ist eine Infektion, die zusätzlich zu einer bereits vorhandenen anatomischen oder funktionellen Abnormalität oder einer Komorbidität auftritt und den Patienten für eine anhaltende Infektion, rezidivierende Infektion oder ein Behandlungsversagen prädisponiert.

 

„Komorbidität“ heißt, es liegen zusätzlich noch andere Krankheiten vor. Daher können Sie sich wahrscheinlich schon denken - insbesondere, nachdem die Nieren Teil der Harnwege sind -, dass eine vorhandene chronische Nierenerkrankung bedeutet, Harnwegserkrankungen bei CNE-Katzen gelten als kompliziert. Das trifft aber auch auf Katzen mit anderen Krankheiten, wie z.B. Diabetes, zu.

 

Weitere Faktoren sind anatomische oder funktionelle Probleme, z.B. Zysten in den Nieren entstehen bei einer Katze mit Polyzystische Nierenerkrankung (PKD), die ein Nährboden für eine Infektion sein können.

 

Bei Katzen mit Nierensteinen oder Zahnerkrankungen ist das Risiko ebenfalls erhöht, auch bei Ihnen würde eine Infektion als kompliziert gelten.

 

Niereninfektionen sind immer kompliziert, sogar bei ansonsten gesunden Katzen.

 


Symptome


 

HarnwegsInfektionen


Katzen mit HWI zeigen häufig keinerlei Symptome. Bacterial urinary tract infections Dowling P. M., Merck Veterinary Manual sagt: „Anders als Menschen sind Veterinärpatienten häufig unsymptomatisch, und die HWI ist ein Zufallsbefund.“

 

Sind jedoch Anzeichen vorhanden, äußern sie sich z.B. durch vermehrtes Aufsuchen der Katzentoilette mit vielleicht nur wenig oder möglicherweise gar keinem Urinabsatz, Liegen im Katzenklo oder Urinieren an Stellen außerhalb des Klos oder Lecken der Genitalien. Menschen mit Harnwegsinfektionen sind häufig verwirrt, und manche Menschen glauben, ihre Katzen haben ähnliche Probleme.

 

Pyelonephritis


Katzen mit akuter Pyelonephritis sind häufig ganz offensichtlich krank. Sie wollen z.B. nicht fressen, reagieren empfindlich auf Berührung im unteren Rückenbereich oder Bauch (Ihr TA kann das durch eine Palpation erkennen) und/oder haben Fieber. Pyelonephritis in small animals (2016) Brown S. A.,Merck Veterinary Manual sagt: „Tiere mit akuter Pyelonephritis können Nieren- oder Seitenschmerzen, Fieber, Unwohlsein und manchmal Erbrechen, Polyurie und Polydipsie zeigen.“

 

Leider ist es bei Katzen mit chronischer Pyelonephritis nicht immer offensichtlich, dass sie krank sind oder sie zeigen nur subtile Anzeichen wie vermehrtes Wasserlassen, erhöhte Wasseraufnahme oder Erbrechen, die bei CNE-Katzen aber ohnehin nicht ungewöhnlich sind. Pyelonephritis in small animals (2016) Brown S. A., Merck Veterinary Manual schreibt: „Eine chronische Pyelonephritis ist schwer zu erkennen, da die klinischen Anzeichen entweder subtil sind oder ganz fehlen können. Polyurie und Polydipsie sind häufig. In vielen Fällen wird die Krankheit nicht erkannt bis es zum Nierenversagen kommt.“

 

Eine unserer Katzen war anfällig für Pyelonephritis, vielleicht, weil er PKD hatte (bei PKD-Katzen können die Bakterien in die Zysten der Nieren eindringen und eine tief eingegrabene Infektion verursachen). Anfangs war er einfach nur etwas gedämpft. Glücklicherweise wurde er jedesmal auch inkontinent, dadurch konnten wir das Problem erkennen und sofort behandeln.


Diagnose


 

Die übliche Diagnostik besteht in einem Urintest. Aber insbesondere bei einer Pyelonephritis sind noch andere Tests oft nützlich.

Bluttests


Bei Katzen mit Pyelonephritis kann eine Verschlechterung der Nierenwerte im Blut auftreten, im schlimmsten Fall so schwerwiegend, dass es zu einer akuten Niereninsuffizienz kommt. Bei der Katze eines Mitglieds aus Tanya's CKD Support Group, bei der eine Pyelonephritis diagnostiziert wurde, lag der Kreatininspiegel zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bei 26 mg/dl. Hoffentlich ist der Fall Ihrer Katze nicht so gravierend, aber wenn sich die Blutwerte Ihrer Katze plötzlich verschlechtern, sprechen Sie mit Ihrem TA über die Möglichkeit einer Infektion.

 

Das Vorhandensein einer Infektion zeigt sich manchmal auch durch die weißen Blutkörperchen in einem Bluttest, insbesondere, wenn eine Pyelonephritis vorliegt. 

 

Katzen mit chronischen Infektionen können auch an einer Anämie leiden.

 

Ultraschall


Bei Verdacht auf Pyelonephritis wird Ihr TA vielleicht auch einen Ultraschall machen wollen, um sich das Nierenbecken anzusehen. Das Nierenbecken liegt am oberen Ende der Harnleiter (der Röhren, die zur Blase führen). Bei einer Pyelonephritis kann es erweitert (das nennt man Pyelektasie) und im Ultraschall erkennbar sein (allerdings ist das bei akuten Infektionen nicht immer der Fall).

 

Pyelonephritis in small animals (2016) Brown S. A., Merck Veterinary Manual sagt: „Weitere nützliche diagnostische Tests sind ein Abdominalultraschall und Intravenöses Pyelogramm. Beide Untersuchungen können die Dilatation eines oder beider Nierenbecken als Folge einer Entzündung oder partiellen Obstruktion zeigen.“

 

Feline chronic renal disease - acute presentation (2007) Zwingenberger A., Veterinary Radiology sagt: „Nieren mit Pyelonephritis neigen dazu, sich bei Entzündungen zu vergrößern.“

 

Ein erweitertes Nierenbecken alleine ist jedoch noch kein Beweis für eine Pyelonephritis: Renal pelvic and ureteral ultrasonographic characteristics of cats with chronic kidney disease in comparison with normal cats, and cats with pyelonephritis or ureteral obstruction (2017) Quimby J. M,. Dowers K., Herndon A. K., Randall E. K., Journal of Feline Medicine & Surgery 19(8) pp784-790 fanden heraus, dass das Nierenbecken auch bei Katzen mit einer CNE oder Nierensteinen erweitert sein kann.

 

Sonographien bei Erkrankungen des Harntrakts von Hund und Katze (2011) Karpenstein H., Klumpp S., Seyrek-Intas D., Kramer M., Schattauer Verlag beschreibt sehr ausführlich und fachbezogen auf Deutsch das Vorgehen und die Diagnostik incl. Bildern.

 

Urintests


Die übliche Methode, um eine HWI zu diagnostizieren, ist zunächst eine Urinprobe. Die Zystozentese (Blasenpunktion) ist der beste Weg zur Erlangung einer sterilen Urinprobe, um festzustellen, ob eine Infektion vorliegt. Antimicrobial use guidelines for treatment of urinary tract disease in dogs and cats: antimicrobial guidelines working group of the international society for companion animal infectious diseases (2011) Weese J. S., Blondeau J. M., Boothe D., Breitschwerdt EB., Guardabassi L., Hillier A., Lloyd D. H., Papich M. G., Rankin S. C., Turnidge J. D. & Sykes J. E., Veterinary Medicine International 2011 pp1-9 stellen fest: "Zur Probenentnahme sollte eine Zystozentese vorgenommen werden. Katheterisierte Proben können ebenfalls für Kulturen ausgewertet werden, aber Proben per Zystozentese sind vorzuziehen. Proben aus aufgefangenem Urin (Mittelstrahlharn) oder durch manuelles Ausdrücken sollten nicht eingesetzt werden. Das Anlegen einer quantitativen Kultur ist zwingend erforderlich.“

 

Urinary tract infection: how to diagnose and treat correctly (2003) Brovida C Vortrag auf dem World Small Animal Veterinary Association World Kongress erklärt, warum Zystozentese die ideale Methode ist, um Urin zu bekommen, auch wenn sie nicht immer durchführbar ist.

 

Sobald die Urinprobe vorliegt, wird der TA sie normalerweise durch das Eintauchen eines Teststreifens in den Urin testen oder indem er einige Tropfen Urin unter das Mikroskop legt. Treten in einer sauberen Urinprobe Bakterien auf, ist das ein Hinweis auf eine Infektion. Sind keine Bakterien sichtbar, lautet das Ergebnis normalerweise „keine gesehen“ oder „negativ“ oder „keine signifikanten Befunde“.

 

Ein negativer Bakterientest bedeutet aber nicht, dass keine Infektion vorhanden ist. Pyelonephritis in small animals (2016) Brown S. A., Merck Veterinary Manual sagt über chronische Pyelonephritis: „Obwohl Anomalien in der Urinanalyse vorhanden sind, fallen sie oft weniger dramatisch aus als bei einer akuten Niereninfektion. Eine einzelne Urinkultur kann bei einer niedrigen Bakterienzahl auch negativ ausfallen.“

Selbst wenn das erste Ergebnis negativ ausfällt, ist es deswegen wichtig, einen Kultur- und Sensitivitätstest (Antibiogramm) durchzuführen (siehe unten), insbesondere bei einer CNE-Katze, bei der sich diese Infektionen nicht immer in den Standardurintests zeigen (siehe unten).

 

Manchmal weisen erhöhte weiße Blutkörperchen auf eine Infektion hin, man kann sich aber nicht darauf verlassen, weiße Blutzellen im Urin vorzufinden: FLUTD: a diagnostic approach (2011) Bovens C., Feline Update (Langford Veterinary Centre University of Bristol) schreibt: „Urin-Messsticks weisen häufig positiv auf Leukozyten (weiße Blutkörperchen) bei Katzen hin. Das ist unzuverlässig und heißt nicht, dass eine Entzündung oder Infektion vorliegt.“

 

Urintests können auch Blut im Urin anzeigen. Blut im Urin ist ein möglicher Hinweis auf eine Infektion, aber dafür gibt es auch noch andere Gründe, wie Sie hier nachlesen können.

 

Kultur und Sensitivitätstests (Antibiogramm)


Bei einem Kultur- und Sensitivitäts-(Empfindlichkeits-)Test, auch Antibiogramm genannt, versucht das Labor, die aus der Urinprobe erhaltenen Bakterien über einige Tage (drei bis vier) weiter zu züchten.

 

Ist die Bakterienzucht erfolgreich, behandeln sie verschiedene Chargen mit jeweils einem anderen Antibiotikum, um festzustellen, auf welches Antibiotikum die Bakterien am empfindlichsten reagieren, (d.h., welches Antibiotikum die Bakterien am effektivsten abtötet).

 

Veterinary Partner gibt weitere Erklärungen zu diesen Tests.

 

Braucht Ihr Tier ein Antibiotikum? Synlab.de erklärt kurz das Vorgehen.

 

Einige TÄ führen solche K+S-Tests nur durch, wenn sie eine Pyelonephritis vermuten. In Antimicrobial use guidelines for treatment of urinary tract disease in dogs and cats: antimicrobial guidelines working group of the international society for companion animal infectious diseases (2011) Weese J. S., Blondeau J. M., Boothe D., Breitschwerdt E. B., Guardabassi L., Hillier A., Lloyd D. H., Papich M. G., Rankin S. C., Turnidge J. D. & Sykes J. E., Veterinary Medicine International 2011 pp1-9 steht jedoch: „Eine aerobe Bakterienkultur und ein Sensibilitätstest sollte in allen Fällen durchgeführt werden, um das Vorhandensein einer Infektion zu bestätigen, und um herauszufinden, ob resistente Bakterien vorhanden sind, die vielleicht auf die Ersttherapie nicht ansprechen, damit zwischen einer Reinfektion und einem Rezidiv unterschieden werden kann, sollte die HWI zurückkehren.“

 

Bei CNE-Katzen ist es wegen ihres typischerweise verdünnten Urins ganz besonders wichtig, so einen K+S-Test (Antibiogramm) durchzuführen, da es oft schwer ist, durch andere Tests bei ihnen Infektionen nachzuweisen. Cat Hospital of Chicago schreibt: „Die Durchführung von Urinkulturen bei CNE-Katzen ist wichtig, denn der verdünnte Urin erschwert die Identifizierung von Bakterien im Urin. Bakterielle Harnwegsinfektionen können übersehen werden, wenn nur einfache Urinanalysen durchgeführt werden. Daher ist eine Kultur der „Goldstandard“ zur Bestimmung, ob eine Niereninfektion die Ursache oder ein erschwerender Faktor bei einem Nierenversagen ist.“

 

Ein K+S-Test misst keimbildende Einheiten (KBE). Diagnostic caveats for difficult bacterial urinary tract  infections (2005) Osborne C. A., DVM News Magazine schreibt über HWI und enthält eine Tabelle (Tabelle 7), die anzeigt, worauf die Anzahl der durch verschiedene Methoden in einer Urinprobe gefundenen Bakterien vermutlich hinweist. Problem urinary tract infections (2012) Chew D. J .& Westropp J. L., American College of Veterinary Surgeons Proceedings zeigt eine ähnliche Tabelle, auch wenn die angegebenen Werte sich etwas unterscheiden.

 

Overview of the urinary system (2016) Sanderson S. L. Merck Veterinary Manual schreibt: „Wurde die Probe durch spontane Miktion (Urinabsatz) oder durch manuelle Kompression gewonnen, liegt dann eine signifikante Bakterienanzahl vor, wenn  ≥10,000 CFU/mL im Urin von Katzen gefunden wurden. Proben mit >1.000 bis 10.000 CFU/mL bei Katzen weisen auf einen HWI-Verdacht hin. Bei einer Probengewinnung durch Katheterisation sind bei Katzen ≥1.000 CFU/mL signifikant, Proben von Katzen mit 100 bis 1.000 CFU/mL jedoch HWI-verdächtig.“

 

Generell gilt bei einer Katze, deren Urin per Zystozentese gewonnen wurde, ein Wert über 1.000 cfu/ml als Hinweis auf eine mögliche Infektion, während bei einer Probe aus dem Mittelstrahlurin der Wert vermutlich über 100.000 cfu/ml liegen würde. Liegt der Wert bei Spontanurin unter 20.000 cfu/ml, ist das wahrscheinlich auf Verunreinigung zurückzuführen.

 

Häufig werden Kulturen auch durchgeführt, nachdem bei einer Katze bereits mit einer Antibiotikabehandlung begonnen wurde, um zu überprüfen, ob die Infektion verschwunden ist. Normalerweise müssen Sie sieben Tage nach Beendigung der Antibiotikagaben abwarten, bevor Sie das veranlassen können (damit eventuell überlebende Bakterien Zeit haben, wieder zu wachsen). Aber bei einer Katze mit einer Langzeitantibiotikabehandlung oder mit wiederkehrenden oder resistenten Infektionen kann es angebracht sein, den K+S-Test alle sieben Tage durchzuführen, um sicherzustellen, dass die Behandlung wirkt. Das Labor IDEXX bietet eine Urinkultur und einen MIK-Empfindlichkeitstest zur Bestimmung niedriger Keimzahlen an (Testcode 4033). Er wird empfohlen für Patienten, bei denen vor kurzem oder aktuell eine Antibiotikatherapie durchgeführt wurde oder bei denen nur ein geringer Infektionsgrad vermutet wird.“ Er könnte auch bei CNE-Katzen nützlich sein, die oft nur niedrige Bakterienzahlen aufweisen.

 

RapidBac Vet ist ein neuer Test, der in nur 20 Minuten durchzuführen ist und weniger als eine Kultur kostet. Diagnostic accuracy of a rapidimmunoassay for point-of-care detection of canine urinary tract infection (2016) Jacob M. E., Crowell M. D., Fauls M. B., Griffith E. H. & Ferris K., American Journal Veterinary Research 77 pp162 berichten, dass sich der Test bei Hunden zu 95 Prozent als genau erwiesen hat. Der Hersteller sagt, neuere Tests bei Katzen weisen auf eine Sensitivität von 100 Prozent und auf einen negativen Vorhersagewert von 99 Prozent hin. Ich kenne niemanden, der diesen Test bisher bei einer Katze eingesetzt hat, aber die Hersteller sind interessiert an Erfahrungsberichten.

 

Obwohl dieser Test in mehreren europäischen Ländern (F, NL, GB und sogar Rumänien! erhältlich ist, ist er in den deutschsprachigen Ländern offenbar noch nicht angekommen).

 


Diagnoseschwierigkeiten


 

Eine Schwierigkeit bei der Diagnose besteht darin, dass Katzen nicht immer irgendwelche Symptome zeigen, daher können Sie möglicherweise nicht erkennen, wenn ein Problem auftritt. Subclinical bacteriuria in cats: prevalence, findings on contemporaneous urinalyses and clinical risk factors (2017) Puchot M. L., Cook A. K. & Pohlit C., Journal of Feline Medicine and Surgery 19(12) pp1238-1244 untersuchten die Urinproben von 500 Katzen, die keine klinischen Anzeichen einer Infektion zeigten und fanden heraus, dass bei 6,2 Prozent von ihnen tatsächlich eine Harnwegsinfektion vorlag. Sie schreiben, dass das Vorhandensein einer subklinischen Bakteriurie „signifikant mit einer geringeren spezifischen Urindichte und dem Vorliegen einer CNE verbunden ist“.

 

Andere Studien unterstützen die erhöhte Wahrscheinlichkeit subklinischer Harnwegsinfektion bei CNE-Katzen. Urinary tract infections in cats with chronic kidney disease (2013) White J. D., Stevenson M., Malik R., Snow D. & Norris J. M., Journal of Feline Medicine & Surgery 15(6) pp459-65 fanden heraus, dass 72 Prozent der Katzen in dieser Studie an okkulten (versteckten) HWI litten, d.h., die Urinkultur war positiv, obwohl keine klinischen Anzeichen einer Infektion vorlagen.

 

Selbst wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihre Katze eine Infektion haben könnte, kommt es ziemlich häufig vor, dass Tests keine Harnwegsinfektion bei einer CNE-Katze anzeigen, auch wenn tatsächlich eine vorliegt. Leider akzeptiert nicht jeder TA diese Tatsache. Eine Humanstudie, Establishment of a persistent Escherichia coli reservoir during the acute phase of a bladder infection (2001) Mulvey M. A., Schilling J. D. & Hultgren S. J.,  Infection and Immunity 69(7) pp 4572-9, stellte fest, dass sich in einigen Fällen die Harnwegsinfektionen auslösenden Bakterien so tief in die Blasenwände eingraben, dass sie mit herkömmlichen Tests nicht entdeckt werden können. In einer späteren Studie (2004) über die Science Daily berichtet, stellten die Wissenschaftler fest, dass die am häufigsten an HWI beteiligten Bakterien vier verschiedene Entwicklungsstadien durchlaufen, dazu gehört in einigen Fällen auch eine Ruhephase. Das könnte eine Erklärung dafür sein, warum HWI so häufig wiederkehren.

 

Es ist auch nicht unüblich, dass in einer Kultur nichts wächst, weil die Katze an einer Pyelonephritis statt an einer Infektion der unteren Harnwege leidet, insbesondere dann, wenn die Infektion chronisch und nicht akut ist. Einige Bakterienarten wachsen nicht in Kulturen, oder ihre Anzahl ist zu niedrig, um leicht nachgewiesen zu werden. Pyelonephritis in small animals (2016) Brown S. A. Merck Veterinary Manual schreibt über chronische Pyelonephritis: „Obwohl Anomalien in der Urinanalyse vorhanden sind, fallen sie häufig weniger dramatisch aus als bei einer akuten Niereninfektion. Eine einzelne Urinkultur kann bei einer niedrigen Bakterienkultur negativ ausfallen.“

 

The Feline Patient (4th Ed.) (2010) Norsworthy G. D. (Ed.Wiley-Blackwell stellt fest: „Die Ursache bei Katzen ist typischerweise bakteriell (...) Urinkulturen stellen einen Organismus nicht immer wieder her. Häufig hat die mit chronischem Nierenversagen vorgestellte Katze zu diesem Zeitpunkt bereits seit Monaten oder Jahren eine subklinische Pyelonephritis. Zu diesem Zeitpunkt ist sie dann bereits abakteriell.“

 

Pyelonephritis in small animals (2005) Parry N. M. A., UK Vet 10(6) pp1-5 sagt: „Das Fehlen von Urinveränderungen schließt eine Pyelonephritis nicht aus, da sich die Infektion im Nierenparenchym lokalisieren kann und bei einer Urinanalyse dann keine Anomalien zeigt und keine negativen Urinkulturen hervorbringt. (...) Die Anwesenheit von Leukozytenzylindern im Harn steht im Einklang mit renalen Entzündungen. In den meisten akuten Fällen ergeben sich positive Bakterienkulturen bei per Zystozentese  gewonnenem Urin, bei chronischen Fällen fallen sie jedoch meist negativ aus. Häufig sind mehrere Kulturen erforderlich, um eine HWI zu bestätigen. Leider kann eine Leukozytose bei einer Chronifizierung wieder verschwinden. Das macht die Diagnose einer chronischen Pyelonephritis schwer diagnostizierbar. Zudem fällt auch das chemische Blutprofil häufig normal aus, außer es entwickelt sich eine CNE.“

 

Ultraschall kann für den Nachweis einer Pyelonephritis hilfreich sein, obwohl er bei Katzen mit PKD nur von eingeschränktem Nutzen ist, denn ihre Nieren sehen bereits unnormal aus. Ein Ultraschall kann auch bei der Diagnose eines Infekts der unteren Harnwege helfen, aber nur bei voller Blase. In beiden Fällen benötigen Sie jedoch einen erfahrenen Schaller.


Behandlungsmaßnahmen


 

Die Hauptbehandlungsmaßnahme bei Harnwegsinfektionen sind Antibiotika, obwohl D-Mannose ebenfalls hilfreich sein kann.

 

Infektionen können manchmal zu einer Anämie führen. Leidet Ihre Katze an einer Infektion, und die Anämie ist nicht lebensbedrohlich, ist es möglich, dass Sie abwarten können, bevor Sie ESS gegen die Anämie einsetzen, denn eine durch Infektionen oder Entzündungen ausgelöste Anämie verschwindet oft wieder von selber, sobald die Infektion oder Entzündung behandelt wurde.

 

Menschen mit einer Zystitis (Blasenentzündung) bekommen manchmal den Rat, Cranberries einzunehmen. Cranberries sind jedoch für CNE-Katzen ungeeignet (siehe Ganzheitliche Behandlungsmaßnahmen, dort finden Sie mehr Informationen dazu). Der aktive Bestandteil in Cranberries ist D-Mannose, Sie können es daher in Betracht ziehen, es direkt zu geben, siehe unten.

 

The British Medical Journal hat Informationen über eine Humanstudie, in der sich zeigte, dass Laktulose (die normalerweise gegen Verstopfung eingesetzt wird) behilflich sein kann, Harnwegsinfektionen bei Menschen zu vermeiden. Ich würde meiner Katze jedoch nur dann Laktulose geben, wenn sie es wegen einer Verstopfung benötigt.

Wann mit der Behandlung beginnen


Vielleicht wird Ihr TA mit einer Behandlung zögern, wenn die Testergebnisse normal zurückkommen. Bei gesunden Katzen kann das eine angemessene Reaktion sein Antimicrobial use guidelines for treatment of urinary tract disease in dogs and cats: antimicrobial guidelines working group of the international society for companion animal infectious diseases (2011) Weese J. S., Blondeau J. M., Boothe D., Breitschwerdt E. B., Guardabassi L., Hillier A., Lloyd D. H., Papich M. G., Rankin S. C., Turnidge J. D. & Sykes J. E., Veterinary Medicine International 2011 pp1-9 schreiben: „Eine Behandlung kann bei Tieren ohne klinische Anzeichen einer HWI oder Hinweisen auf eine HWI - basierend auf der Untersuchung des Urinsediments - unnötig sein.

 

Allerdings gilt das nicht für CNE-Katzen aufgrund der Tatsache, dass sich bei ihnen Infektionen nicht immer zeigen (siehe oben) und das Risiko, mögliche Infektionen unbehandelt bleiben zu lassen. Die Arbeitsgruppe führt weiter aus: „Unter bestimmten Umständen kann eine Behandlung in Betracht gezogen werden, wenn die Gefahr besteht, dass ein besonders hohes Risiko einer aufsteigenden oder systemischen Infektion besteht (z.B. bei immunkomprimierten Patienten, Patienten mit einer vorhandenen Nierenerkrankung) oder dass die Blase der Ausgangspunkt für eine extraurinare Infektion sein könnte. Sowohl Diagnose als auch Management der zugrundeliegenden Ursache sind wichtig, und die Behandlung sollte kein Ersatz für eine korrekte Diagnose und Behandlung sein.“

 

Das ist ganz besonders wichtig, wenn sich die Nierenwerte Ihrer Katze kürzlich verschlechtert haben, denn der Grund könnte eine Infektion sein. Management and treatment of chronic kidney disease in cats (2016) Caney S. In Practice Oct 2016 pp10-13 schreibt über Infektionen der unteren Harnwege: „Die aktuellen Empfehlungen lauten, dass sie behandelt werden sollten, wenn der Patient klinische Anzeichen (systemisch und/oder untere Harnwege) zeigt, wenn eine Pyurie (Eiter im Harn) vorhanden ist, der Ultraschallnachweis einer Pyelonephritis vorliegt und/oder die Nierenfunktion sich kürzlich verschlechtert hat.“

 

Treatment recommendation for CKD in cats (2015) International Renal Interest Society schreibt über CNE-Katzen: „Alle Harnwegsinfektionen sollten als potentielle Pyelonephritis betrachtet und entsprechend behandelt werden.“

 


Intravenöse Flüssigkeiten


 

Insbesondere bei Katzen mit Fieber oder die nicht fressen wollen oder deren Nierenwerte sich verschlechtert haben, kann auch eine intravenöse Flüssigkeitstherapie nötig sein. Pyelonephritis in small animals (2016) Brown S. A. Merck Veterinary Manual schreibt: „Tiere, die fiebrig, anorektisch, dehydriert oder azotämisch sind, sollten in eine Tierklinik eingeliefert werden, um eine intravenöse Antibiotika- und Flüssigkeitstherapie zu bekommen. Die Flüssigkeitstherapie kann verhindern, dass die akute Pyelonephritis zu einer azotämischen akuten Nierenerkrankung führt, verbessert die Nierendurchblutung und die urämischen Anzeichen von Tieren, die bereits an einer Urämie leiden.“

 


Antibiotika


Harnwegsinfektionen (HWI) und Pyelonephritis werden in der Regel mit Antibiotika behandelt. Untere Harnwegsinfektionen sind normalerweise relativ einfach zu behandeln, aber eine Pyelonephritis kann schwieriger sein: Managing complicated urinary tract infections (2008) Grauer G. F., CVC in San Diego Proceedings schreibt: „Die meisten bakteriellen Infektionen der unteren Harnwege reagieren schnell auf eine antimikrobielle Behandlung. Harnwegsinfektionen (HWI) jedoch, die mit Schäden des Immunsystems des Betroffenen verbunden sind (komplizierte HWI), reagieren häufig nicht mehr oder treten nach Beendigung der antibiotischen Therapie erneut auf und können daher eine therapeutische Herausforderung darstellen.“

If Your Vet Refuses to Assist


Some vets will refuse to prescribe antibiotics for infections where no bacteria have been cultured. Alternatively, they may prescribe antibiotics but only for a much shorter period than is necessary in a CKD cat.

 

Vets may act in this way because of concerns about antibiotic resistance. Whilst this is a valid concern, giving too short a cause of treatment actually increases the chance of antibiotic resistance. Read the following sections, show the veterinary links to your vet if necessary, and ask for an appropriate course of antibiotics for your cat.

 

Antibiotika: Medikamentenwahl


Unkompliziert


Es gibt einige Debatten, welche Antibiotika in solchen Fällen eingesetzt werden sollen. Top urinary tract and prostate antibiotics (2017) Viviano K. R. & Hartmann F. A., Clinician's Brief July 2017 geben mehr Informationen über die verschiedenen Antibiotikagruppen.

Bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen fangen viele TÄ mit Amoxicillin an, das eine gute Wahl sein kann. Managing the E coli UTI (2011) KuKanich K. S. NAVC Clinician's Brief Aug 2011 pp61-66 zeigt eine Tabelle, die bei der Antibiotikaauswahl behilflich sein kann und empfiehlt bei einfachen HWI: „E coli-Stämme reagieren empfindlich auf Amoxicillin-Clavulansäure oder Cephalexin. Enrofloxacin sollte aufgrund von Resistenzen als Erstbehandlungsmittel vermieden werden.“

 

Managing complicated urinary tract infections (2008) Grauer G. F., CVC in San Diego Proceedings sagt in Bezug auf eine einfache HWI: „Ohne den Vorteil einer Sensibilitätsprüfung (Antibiogramm) sind die folgenden Medikamente die Medikamente der Wahl für die aufgeführten Bakterien: E. coli – Enrofloxacin; Proteus – Amoxicillin-Clavulansäure; Staph - Amoxicillin-Clavulansäure; Strep - Amoxicillin-Clavulansäure; Enterobacter – Tetrazykline; Klebsiella – Enrofloxacin; Pseudomonas – Tetrazykline. Ist die bakterielle Identität unbekannt, basiert die Behandlung am besten auf den Gram-Färbeeigenschaften, d.h., Ampicillin/Amoxicillin oder Amoxicillin-Clavulansäure bei gram-positiven Bakterien und Trimethroprim-Sulfa oder Enrofloxacin bei gram-negativen Bakterien.“

 

Focus on pharmacology: use of antibiotics for the urinary tract (2017) Foster J. D., Today's Veterinary Practice 7(2) pp119-127 diskutiert die Antibiotikaauswahl sowohl für komplizierte als auch für unkomplizierte Infektionen.

Es gibt derzeit einige Debatten, ob Enterokokkus sofort behandelt werden muss.  Diagnosing and treating urinary tract infection in cats (2015) Kovalik D., Veterinary Medicine schreibt: „Eine Behandlung wird zur Zeit nicht bei asymptomatischen Katzen mit Isolaten von Enterokokkus-Spezies empfohlen, da diese Infektion sich häufig ohne Intervention auflöst.“

 

In GB und den deutschsprachigen Ländern wird man Ihnen vielleicht Cefovecin (Convenia) anbieten, da es in Europa zur Behandlung von HWI bei Katzen zugelassen ist. Allerdings können Bakterien im Laufe der Zeit Resistenzen gegenüber Cefovecin entwickeln, daher sollte es normalerweise maximal dreimal eingesetzt werden. Der Hersteller empfiehlt sogar nur den einmaligen Einsatz von Cefovecin.

Kompliziert


Bei komplizierten Infektionen (und darum handelt es sich bei CNE-Katzen, oder es wird bei ihnen vorausgesetzt laut Treatment recommendation for CKD in cats (2015) International Renal Interest Society „Jede Harnwegsinfektion sollte als potentielle Pyelonephritis angesehen und behandelt werden“), wird Ihr TA die wirksamste Behandlung basierend auf den Ergebnissen eines Kultur- und Sensibilitätstests (Antibiogramm) treffen. Das Mittel der Wahl dafür ist normalerweise ein Breitspektrum-Antibiotikum, denn obwohl meistens eine Bakterienart dominiert (häufig E-coli), ist es keineswegs ungewöhnlich, dass mehr als eine Art vorkommt.

 

Hyperthyroidism: a view from the urinary tract (2010) Grauer G. F., CVC in Kansas City Proceedings sagt: “Urinkulturen sollten als Teil der Diagnose sowohl von Hyperthyreoidismus als auch von CNE angelegt werden. Auf jeden Fall sollte eine gleichzeitig auftretende HWI als komplizierte HWI langfristig mit Antibiotika behandelt werden, die auf Kultur- und Sensitivitätsergebnissen basiert.“

Focus on pharmacology: use of antibiotics for the urinary tract (2017) Foster J. D., Today's Veterinary Practice 7(2) pp119-127 diskutiert die Antibiotikaauswahl sowohl für komplizierte als auch für unkomplizierte Infektionen.

Meine Katze mit wiederholt auftretender Pyelonephritis sprach nicht auf Amoxicillin an, aber Enrofloxacin (Baytril) wirkte jedesmal. Chronic Renal Failure (2001) Polzin D. J., Delaware Valley Academy of Veterinary Medicine hält fest: „Die ausgezeichnete in vitro-Aktivität von Enrofloxacin kombiniert mit guten Konzentrationen in Serum, Nierengewebe und Urin nach oraler oder parenteraler Verabreichung, macht es zu einer hervorragenden Wahl bei diesen Patienten. Außerdem können Fluorchinolone mit minimaler Toxizität bei den meisten Patienten letztlich den Einsatz von Aminoglykosiden bei der Behandlung einer Pyelonephritis aufgrund ihrer Wirksamkeit sowohl beim Erreichen der Nieren- als auch der Urinkonzentration ersetzen.“

 

Antibiotika: Behandlungsdauer


 

Unkompliziert


Genau wie Menschen bekommen Katzen mit einer unteren Harnwegsinfektion normalerweise über einen kurzen Zeitraum Antibiotika, vielleicht drei bis sieben Tage. Meistens reicht das völlig aus.

 

Kompliziert


Da Katzen mit einer CNE nicht gesund sind (also sind ihre Infektionen immer kompliziert), benötigen sie meistens eine längere Behandlungsdauer, um sicherzustellen, dass die Bakterien vollständig vernichtet sind und die Infektion vollständig ausgeheilt ist.

 

Insbesondere Katzen mit einer Pyelonephritis müssen in der Regel über einen längeren Zeitraum Antibiotika bekommen. Die Behandlungsdauer ist normalerweise mindestens vier Wochen und kann sich bis zu acht Wochen hinziehen, manchmal (aber selten) sogar noch länger. Diese lange Zeit ist notwendig, da die Durchblutung der meisten betroffenen Stelle in den Nieren so schlecht ist, dass es eine Weile dauert, bis die Antibiotika sie erreichen und die Bakterien abtöten können.

 

Leider kennt nicht jeder TA diese Empfehlung, daher anschließend einige Links, die Sie - falls erforderlich - Ihrem TA geben können.

 

Pyelonephritis in small animals (2016) Brown S. A., Merck Veterinary Manual sagt: „Eine Pyelonephritis sollte über vier bis acht Wochen aggressiv mit Breitband-Antibiotika behandelt werden, basierend auf einer Urinkultur und einem Antibiogramm.“

 

Urinary tract infection (UTI): how to diagnose correctly and treat (2003), Brovida C Presentation to the 28th World Congress of the World Small Animal Veterinary Association erwähnt, dass im Fall einer Niereninfektion die Antibiotikabehandlung kontinuierlich über einen Zeitraum von vier bis acht Wochen durchgeführt werden sollte.

 

Management and treatment of chronic kidney disease in cats (2016) Caney S., In Practice Oct 2016 pp10-13 schreibt: „Typischerweise ist ein verlängerter Behandlungsverlauf (z.B. vier bis sechs Wochen) erforderlich, um die Infektion zu beseitigen.“

 

Antimicrobial use guidelines for treatment of urinary tract disease in dogs and cats: antimicrobial guidelines working group of the international society for companion animal infectious diseases (2011) Weese J. S., Blondeau J. M., Boothe D., Breitschwerdt E. B., Guardabassi L., Hillier A., Lloyd D. H., Papich M. G., Rankin S. C., Turnidge J. D. & Sykes J. E., Veterinary Medicine International 2011 pp1-9 schreiben: „Oft wird eine Behandlung von vier bis sechs Wochen empfohlen. Ein kürzerer Therapiezeitraum kann wirksam sein, aber es gibt derzeit keine ausreichenden Beweise, um objektive Empfehlungen aussprechen zu können, daher wird zu diesem Zeitpunkt eine vier- bis sechswöchige Behandlung empfohlen.“

 

Chronic Renal Failure (2001) Polzin D.J.,  Delaware Valley Academy of Veterinary Medicine schreibt: „Es wird empfohlen, akute, unkomplizierte HWI und einige Reinfektionen über einen Zeitraum von zehn bis 14 Tagen zu behandeln. Hingegen sollten die meisten wiederkehrenden HWI, komplizierte Infektionen, Pyelonephritis und Prostatitis über einen Zeitraum von mindestens vier bis sechs Wochen behandelt werden. Infektionen, die Niere(n) und Prostata mit einschließen, können sogar eine noch längere Behandlungsdauer erfordern.“

 

Liegt eine Pyelonephritis vor, muss eventuell auch die Dosis erhöht oder häufiger verabreicht werden: Pyelonephritis in small animals (2016) Brown S. A., Merck Veterinary Manual schreibt: „Vielleicht spricht die Infektion auf die gleichen Antibiotika an, die für Zystitis empfohlen werden, aber eine häufigere Verabreichung (z.B. Amoxicillin dreimal statt zweimal täglich) und/oder höhere Dosierungen sind angebracht.“

 

Diagnosing and treating urinary tract infection in cats (2015) Kovalik D., Veterinary Medicine schreibt: „Antimikrobielle Mittel sollten nicht nur über einen Zeitraum von sieben bis 14 Tage gegeben werden, sondern bis ein bakteriologisch steriler Urin sowohl während der Medikation als auch über einen verlängerten Zeitraum nach Beendigung der Behandlung bestätigt werden kann.“

 

Überwachung


Unkompliziert


Geben Sie Antibiotika über einen kurzen Zeitraum (drei bis 14 Tage), sollte Ihr TA sieben bis 14 Tage nach Beendigung des Antibiotikums den Urin erneut überprüfen und nochmals eine Kultur veranlassen, um sicherzustellen, dass die Infektion vollständig ausgeheilt ist. Bei einer 14tägigen Behandlung überprüfen einige TÄ gerne auch den Urin drei Tage vor Beendigung der Medikation.

 

Kompliziert


Wenn Sie – was wahrscheinlich bei einer CNE-Katze ist – einen längeren Behandlungszeitraum von vier bis acht Wochen wählen, sollte der Fortschritt Ihrer Katze durch eine Urinkultur ein- bis zweimal wöchentlich während der Therapie und wieder nach Beendigung überwacht werden. Management and treatment of chronic kidney disease in cats (2016) Caney S. In Practice Oct 2016 pp10-13 sagt:  „Während des Behandlungszeitraums sind wiederholte Urinkulturen empfehlenswert und nochmals sieben bis zehn Tage nach Behandlungsabschluss, um den Erfolg zu bestätigen.“

 

Der Grund der Überwachung ist, herauszufinden, ob es eine Reaktion gibt, falls Sie zu einem anderen Antibiotikum wechseln müssen. Falls das Antibiotikum zu wirken scheint (d.h., die Keimzahl reduziert sich), hören Sie normalerweise nicht mit den Antibiotika auf, sondern geben es über den gesamten Zeitraum weiter, um sicherzustellen, dass die Infektion vollständig eliminiert wird.“

 

Antimicrobial use guidelines for treatment of urinary tract disease in dogs and cats: antimicrobial guidelines working group of the international society for companion animal infectious diseases (2011) Weese J. S., Blondeau J. M., Boothe D., Breitschwerdt E. B., Guardabassi L., Hillier A., Lloyd D. H., Papich M. G., Rankin S. C., Turnidge J. D. & Sykes J. E., Veterinary Medicine International 2011 pp1-9 schreiben: „Fünf bis sieben Tage nach Beginn der Therapie sollte eine Urinkultur angelegt werden, insbesondere bei Patienten mit einer Vorgeschichte rezidivierender oder refraktärer Infektionen oder jenen, die mit einem hohen Risikofaktor für aufsteigende oder systemische Infektionen behaftet sind. Jegliches Bakterienwachstum während der Behandlung weist auf ein potentielles Behandlungsversagen hin und sollte eine sofortige Neubewertung auslösen. Die Überweisung oder Beratung durch einen Fachmann wird empfohlen. Eine Urinkultur wird in allen Fällen nach einem Zeitraum von sieben Tagen nach Beendigung der Therapie empfohlen.

 

Pyelonephritis in small animals (2005) Parry N. M. A., UK Vet 10(6) pp1-5 schreibt: „Leider besteht oft eine schlechte antibiotische Durchdringbarkeit in das Nierenmarkparenchym, daher kann eine chronische Pyelonephritis schwer zu behandeln sein. Sieben bis zehn Tage nach Behandlungsbeginn nnte eine Urinkultur angelegt werden und erneut eine Woche nach Beendigung der Antibiotikatherapie wiederholt werden und danach so lange monatlich wiederholt, bis drei aufeinanderfolgende negative Kulturen angelegt werden konnten.“

 

Pyelonephritis in small animals (2016) Brown S. A., Merck Veterinary Manual schreibt: Drei bis sieben Tage nach der Therapie sollte eine Urinanalyse und –kultur durchgeführt werden und anschließend einmal monatlich an drei aufeinanderfolgenden Monaten. Bleiben alle diese Kulturen negativ, kann der zeitliche Abstand zwischen den Kulturen nach und nach verlängert werden. Bei Tieren mit Pyelonephritis besteht ein hohes Risiko, dass sie an hartnäckigen oder wiederkehrenden Infektionen erkranken und Zweitinfektionen an anderen Stellen (z.B. bakterielle Endokarditis und Discospondylitis) auftauchen.“

Wiederauftreten: Rückfall und Reinfektion


Es ist leider nicht ungewöhnlich, dass es bei Harnwegsinfektionen zur Rezidiven oder erneutem Auftreten kommt, insbesondere, wenn die Dauer der Antibiotikabehandlung zu kurz war. Eine wieder auftretende Harnwegsinfektion wird häufig eingestuft als:

  • Rezidiv

    Die Infektion kommt zurück, für gewöhnlich innerhalb weniger Tage nach Behandlungsende und wird von den gleichen Bakterien verursacht, die die erste Infektion auslösten.

  • Reinfektion

    Die Katze bekommt eine weitere Infektion, aber diesmal ist ein anderes Bakterium dafür verantwortlich. Das geschieht für gewöhnlich einige Zeit nachdem die Antibiotika zur Behandlung der ersten Infektion abgesetzt wurden. Das kann passieren, weil die Katze häufig mit mehr als nur einem Infektionsauslöser infiziert ist.  Bacterial urinary tract infections (2016) Dowling P. M., Merck Veterinary Manual schreibt: „Bei Hunden und Katzen werden HWI in 30 Prozent der Fälle von mehr als nur einem Pathogen ausgelöst. Bei immunsupprimierten Patienten können auch Pilzinfektionen vom Stamm Candida spp auftreten.“

Die Unterscheidung, ob eine Infektion ein Rezidiv oder eine Reinfektion ist, kann schwierig sein. Bei meiner Katze mit den wiederkehrenden Infektionen vermute ich, dass es Rezidive waren, da das von uns eingesetzte Antibiotikum jedesmal wirkte, und der zeitliche Abstand zwischen seinen Infektionen für gewöhnlich sehr lang war.

 

Antibiotic sensitivity profiles do not reliably distinguish relapsing or persisting infections in cats with chronic renal failure and multiple diagnoses of Escherichia coli urinary tract infection (2006) Freitag T., Squires R. A., Schmid J., Elliott J. & Rycroft A. N., Journal of Veterinary Internal Medicine 20(2) pp245-9 schreiben, dass es schwierig sein kann festzustellen, ob es sich bei einer Katze um eine Neuinfektion oder ein Rezidiv handelt.

 

Antimicrobial use guidelines for treatment of urinary tract disease in dogs and cats: antimicrobial guidelines working group of the international society for companion animal infectious diseases (2011) Weese J. S., Blondeau J. M., Boothe D., Breitschwerdt E. B., Guardabassi L., Hillier A., Lloyd D. H., Papich M. G., Rankin S. C., Turnidge J. D. & Sykes J. E., Veterinary Medicine International 2011 pp1-9 betonen: „Aerobe Bakterienkulturen und Empfindlichkeitstests sollten in allen Fällen durchgeführt werden, um das Vorhandensein einer Infektion zu bestätigen, um resistente Bakterien, die möglicherweise nicht auf die anfängliche Therapie reagieren, zu identifizieren und um eine Reinfektion von einem Rückfall zu unterscheiden, sollte die HWI wieder auftreten.“

 

Managing the E coli UTI (2011) KuKanich K. S.,  NAVC Clinician's Brief Aug 2011 pp61-66 sagt: „Ein Wiederauftreten der HWI durch die gleichen Organismen verlangt nach weiteren Untersuchungen potentieller Probleme durch die antimikrobielle Behandlung und/oder eine Neubewertung der Ursache der Infektion (Urolithe oder Neoplasie). Das erneute Auftreten einer HWI durch einen anderen Organismus verlangt weitere Untersuchungen nach der Ursache der Immunsuppression.“

Hartnäckige Infektionen


Das bedeutet, dass die Infektion trotz der Behandlung mit dem für diese Bakterien geeigneten Antibiotikum nicht abklingt. Die Ursachen dafür können in einer Reihe von Gründen liegen, z.B. wenn die Katze das Antibiotikum nicht ausreichend lange bekommen hat (möglicherweise die Tablette hinter dem Sofa wieder ausgespuckt hat, ohne dass Sie das bemerken).

 

Focus on pharmacology: use of antibiotics for the urinary tract (2017) Foster JD Today's Veterinary Practice 7(2) pp119-127 erwähnt als eine weitere mögliche Ursache “verminderte renale Arzneimittelausscheidung (das führt zu einer niedriger als erwarteten Medikamentenkonzentration im Urin)“. In der Schrift wird weiter ausgeführt, was bei der Antibiotikaauswahl zu beachten ist.

 

Pulsdosierung


Aufgrund des Rezidivrisikos entscheiden sich einige TÄ bei CNE-Katzen für eine niedrigdosierte Dauerbehandlung mit Antibiotika oder sie empfehlen eine Pulsdosierung. Dabei bekommt die Katze in regelmäßigen Abständen mehrere Tage hintereinander zu einer bestimmten Zeit Antibiotika, z.B. während der ersten fünf Tage eines jeden Monats.

 

Managing complicated urinary tract infections (2008) Grauer G. F., CVC in San Diego Proceedings schreibt: „Für Tiere mit häufigen Infektionen, die nicht geheilt werden können, kann ein niedrig dosiertes Antibiotikum (1/3 bis ½ der üblichen Tagesdosis) vor der Schlafenszeit empfehlenswert sein, nachdem zuerst die Harnwege mit einer standarddosierten Antibiotikabehandlung sterilisiert wurden. Dadurch ist das Medikament nachts in der Blase vorhanden und ergänzt die Abwehrmechanismen des Tieres. Niedrige (subtherapeutische) Antibiotikadosierungen können Infektionen reduzieren, indem sie die bakterielle Produktion der Fimbrien (= Zellanhänge von Bakterien, durch die sie auf Zelloberflächen haften) und dadurch die uroepethiale Anheftung beeinträchtigen. Bei Rezidiven durch grampositive Bakterien werden Penicilline empfohlen, bei Rezidiven durch gramnegative Bakterien Trimethoprim-Sulfa oder Enrofloxacin.“

 

Die Durchführung dieses Vorgehens könnte Risiken enthalten, denn sie erhöht die Gefahr einer Antibiotikaresistenz. Aber wenn Ihr TA so vorgehen möchte, besprechen Sie es und entscheiden Sie, ob Sie glauben, dass das bei Ihrer Katze eine sinnvolle Vorgehensweise ist. Die Überwindung und Erholung von einer Infektion können für das geschwächte Immunsystem einer CNE-Katze eine hohe Belastung sein, daher ist es in einigen Fällen keine unvernünftige Option.

 

Ich habe bei meinem Kater keine Pulsdosierung durchgeführt, denn er ließ uns durch Inkontinenz immer wissen, wenn er eine Niereninfektion hatte. Meine TÄ gab mir einen Notvorrat an Enrofloxacin (Baytril), damit ich die Antibiotikatherapie sofort starten konnte, sobald das Problem auftrat.


D-Mannose


 

D-Mannose ist eine einfache Zuckerart. Tatsächlich ist es sogar der aktive Wirkstoff in Cranberries, aber ohne die mit den Cranberries verbundenen Nachteile.

 

Eine Humanstudie an der Washington University in St Louis School of Medicine, Establishment of a persistent Escherichia coli reservoir during the acute phase of a bladder infection (2001) Mulvey M. A., Schilling J. D. & Hultgren S. J., Infection and Immunity 69(7) pp 4572-9, fand heraus, dass in einigen Fällen die Harnwegsinfekte auslösenden Bakterien so tief in den Blasenfalten versteckt sind, dass sie durch die üblichen Untersuchungsmethoden nicht entdeckt werden. D-Mannose scheint sehr hilfreich bei der Behandlung dieser Art von Infekten zu sein.

 

Es tötet die Bakterien nicht wie ein Antibiotikum ab, sondern es zieht die Bakterien an, die heften sich statt an die Blasenwand an die Zuckermoleküle und werden dann mit dem Urin aus dem Körper ausgeschieden.

 

D-Mannose wirkt nur bei Harnwegsinfektionen, die durch E coli-Bakterien ausgelöst wurden (und auch nicht bei allen) und möglicherweise auch bei Infektionen durch Klebsiellabakterien. Klebsiellainfektionen sind selten, aber E coli sind für ungefähr 67 Prozent aller Harnwegsinfektionen von Katzen verantwortlich.

 

Mir sind keine Studien über den Einsatz von D-Mannose bei Katzen bekannt, aber die Studie  Effect of D-mannose and D-glucose on Escherichia coli bacteriuria in rats (1983) Michaels E. K., Chmiel J. S., Plotkin B. J. & Schaeffer A. J., Urological Research 11(2) pp97-102 fand heraus, dass es bei Ratten die E coli-Anzahl signifikant reduzierte. Ich hörte von einer Anzahl Menschen, die diese Behandlungsweise bei ihren Katzen durchführten, und alle meinten, es war effektiv.

 

Obwohl es sich bei D-Mannose um eine Zuckerart handelt, wird es nicht im Verdauungstrakt absorbiert. Daher sollte es auch für Diabeteskatzen sicher sein, aber besprechen Sie das vorher mit Ihrem TA, bevor Sie es Ihrer diabetischen Katze geben.

 

Auch wenn D-Mannose sehr effektiv zu sein scheint, scheint es am besten bei Katzen mit wiederauftretenden HWI zu wirken. Wenn Ihre Katze anfällig für hartnäckige, andauernde oder wiederholte HWI ist, sprechen Sie mit Ihrem TA über den Einsatz von D-Mannose.

 

D-Mannose ist keinesfalls ein Ersatz für Antibiotika. Wenn Ihr TA Antibiotika verschreibt, dann müssen Sie sie geben, denn unbehandelte Harnwegsinfektionen können zu den Nieren aufsteigen und dort Dauerschäden anrichten. Und genau das ist das Letzte, was eine CNE-Katze gebrauchen kann. Siehe oben, dort finden Sie weitere Informationen über die Behandlung von Harnwegsinfektionen.

 

D-Mannose Dosierung


 

  • Eine üblicherweise eingesetzte Dosierung ist 250 bis 500mg zweimal täglich. Managing the E coli UTI (2011) KuKanich K. S., NAVC Clinician's Brief Aug 2011 pp61-66 erwähnt eine Dosis von 250 bis 1000 mg zweimal täglich

 

  • Bei den meisten (aber nicht allen) Sorten entspricht ¼ Teelöffel des Pulvers 500 mg. Wenn Sie daher 250 bis 500 mg zweimal täglich geben, würden Sie ⅛ bis ¼ Teelöffel zweimal täglich geben. Aber besprechen Sie das mit Ihrem TA.

 

  • Einige Menschen finden es funktioniert besser, wenn sie die Gesamtmenge auf drei bis vier Portionen täglich aufteilen.

 

  • Geben Sie es noch eine Woche lang nach Verschwinden der Symptome.

 

Nachdem es sich bei D-Mannose um eine Zuckerart handelt, ist der Geschmack angenehm. Es kann einfach unter Nassfutter gemischt oder vermischt mit Wasser in das Maul der Katze gespritzt werden.

 

Wo man D-Mannose kaufen kann


D-Mannose ist von unterschiedlichen Herstellern in vielen Geschäften, wo es Vitamine gibt, erhältlich wie z.B. Drogeriemärkten, Reformhäusern, Apotheken oder online. Achten Sie darauf, dass Sie nur 100 % reine D-Mannose ohne Cranberry kaufen.

 

100 g kosten ab ca. 18 €.

 

Hier finden Sie Bezugsquellen in USA und GB. 

 


Prognose


 

Harnwegsinfektionen können sehr besorgniserregend sein, insbesondere, da sie CNE oder Akutes Nierenversagen auslösen können oder die CNE verschlimmern. Außerdem können sie eine Behandlungsherausforderung darstellen.

 

Geben Sie aber die Hoffnung nicht auf. Mein Kater hatte keine CNE, aber er litt an PKD und häufigen Niereninfektionen, trotzdem bekam er nie eine CNE. Der Kater eines Mitglieds aus Tanya's CKD Support Group hatte einen Kreatininwert von 26 mg/dl zum Zeitpunkt der Diagnosestellung. Bei ihm wurde eine Pyelonephritis diagnostiziert, und obwohl er über einen Zeitraum von zwölf Wochen Antibiotika bekommen musste, erholte er sich wieder völlig ohne bleibende Nierenschäden. Auch wenn Sie bei einer Katze mit einer bereits bestehenden CNE wahrscheinlich keine vollständige Erholung mehr erwarten können, können sich die Blutwerte wieder verbessern, sobald die Infektion unter Kontrolle ist. Harnwegsinfektionen führen manchmal auch zu einer Anämie, auch die sollte sich wieder bessern, sobald die Infektion verschwunden ist.

 

Bei Katzen die an akuter auf chronischer Nierenerkrankung leiden, ist es manchmal möglich, die ANE zu heilen und danach zum Status quo der CNE zurückzukehren. In Tips for minimizing acute kidney injury in the older pet (2012) Ross S. J.,  Vortrag auf dem Australian Veterinary Association NSW Annual Regional Conference sagt Dr. Ross: "Eine frühe und wirksame Behandlung der für eine akute Dekompensation verantwortlichen Faktoren (z.B. Pyelonephritis, Hypovolämie) konnte eine Rückkehr zu den vor der Krise vorhandenen Funktionsebenen ermöglichen.“

 

Pyelonephritis in small animals (2016) Brown S. A., Merck Veterinary Manual sagt: „Tiere mit akuter Pyelonephritis können – abhängig von der Anzahl der Schäden, die vor der Behandlung eingetreten sind - ihre normale Nierenfunktion wiedererlangen. Im Fall einer chronischen Pyelonephritis mit einer schweren hydronephrotischen, nicht-funktionalen Niere, könnte eine Nephrektomie das Mittel der Wahl sein, sobald das Tier stabilisiert ist. Dadurch wird der Auslöser der Infektion entfernt und hoffentlich die andere Niere gerettet. IV Pyelographie und/oder renale Szintigraphie sind nützlich, um die relative Funktion jeder Niere zu beurteilen. Sind beide Nieren stark betroffen, ist die medikamentöse Behandlung die einzige Alternative. Die Wiederherstellung einer stabilen chronischen Nierenerkrankung ist in vielen Fällen möglich.“

 

Case report: pyelonephritis and chronic renal insufficiency in a cat (2013) DeVictoria T. M., Urology 34(4) berichtet über den Fall einer jungen Katze mit sowohl CNE als auch Pyelonephritis.

 

 

 

 

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Diese Seite zuletzt überarbeitet:  10. Mai 2018

Links auf dieser Seite zuletzt überprüft: 10. Mai 2018

 

 

   

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Ich habe mich sehr bemüht sicherzustellen, dass alle Informationen auf dieser Website richtig sind. Aber ich bin KEIN Tierarzt, nur eine ganz normale Person, die mit drei ihrer Katzen chronische Nierenerkrankungen durchlebt hat.

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